Barfuss oder Lackschuh meine Tour auf der Queen Mary 2

Barfuss oder Lackschuh meine Tour auf der Queen Mary 2

Als ich am 09. Dezember letzen Jahres Anja Tabarelli, die Marketingchefin der Cunard Linie  , zu der auch die Queen Mary 2  gehört, fotografierte, sagte ich: „Mensch Anja, ich war noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.“

Liebenswert wie sie war, fragte sie in die Runde wer noch Lust hätte sich die Queen Mary anzusehen, wenn die mal wieder in Hamburg ist.

Ich hatte Lust!

Das Procedere im Vorfeld war schon mal königlich.

Personalausweisnummer, alle persönliche Daten, Gesundheitsfragebogen….

Gesundheitsfragebogen?!

Ja wer nicht in der Lage ist 1,5 Stunden treppauf, treppab zu gehen, darf nicht an einer Besichtigung teilnehmen und wer nicht ganz gesund ist besser auch nicht.

Wenn die Queen voll ist, dann zwängen sich 2900 Menschen auf engen Raum aneinander vorbei.

Ja ja, der nette Herr, der die Führung Gruppe E machte wurde nicht müde zu versichern, dass sich das alles auf dem riesigen Schiff verlaufen würde. Und überall die Handdesinfektionsstationen und die Warnung auf dem Bett jeder Kabine vor dem Noro Virus.

Das macht Mut.

Verlaufen hat sich nur meine Zufallsbegleitung Bärbel Recktenwald, die Stylistin vom Shooting im Dezember.

Sie war zu meinem Glück scheinbar die Zweite, die „Ja ich will aufs Schiff“ gesagt hat.

Danke Bärbel, es war grosses Kino mit Dir, wie Du die Gruppe E kurzfristig aufgemischt hast mit Deinem amüsant panischen Anruf: „ Ja wo seid denn ihr, ich dachte die Menschen auf dem Grilldeck seien meine Gruppe, aber dann bemerkte ich, die sehn ja ganz anders aus und du Det bist auch nicht mehr zu sehen. Wo muss ich denn jetzt hin?“

Ich war als Guide per Telefon vollkommen überfordert und habe dann mal weitergereicht  an den Tourguide vom Schiff, der sie dann auch sicher wieder in den Hafen der Gruppe E navigiert hat. Ab dann kannte man Bärbel und passte gemeinsam auf sie auf, dass sie nicht wieder verloren geht.

Der Besuch auf der Queen war für mich der totale Stress im Vorfeld, denn ich hatte es bei all meinen Shootings mal wieder komplett verpeilt, dass ich am 12.06. einen speziellen Termin habe.

War ich doch am 11.06. in Düsseldorf für die Myself gebucht – wir erinnern uns – die Beauty Doktorin Barbara Sturm. Die Myself hatte extra für mich und meine Assistentin ein Hotel gebucht, denn Hamburg – Düsseldorf – Shooting – Düsseldorf – Hamburg, klang eher nicht so entspannt. War es dann auch irgendwie nicht. 900km Fahrt und ein Shooting. Muss ich nicht jeden Tag haben.

Aber es half ja nix! Ich musste um 10:30 Uhr am Check-in stehen, wenn man schon mal die Chance bekommt, dann muss man auch mal die A….backen zusammenkneifen .

Zur Info, jeder der will und gesund ist kann eine Besichtigung auf der Queen Mary 2 buchen. Kostet 50 € und ein Essen mit Getränken ist inklusive.

Ich gebe zu, der Hauptgrund dann nach dem Shooting in Düsseldorf wieder zurück nach Hamburg zu fahren war die Idee, eine „persönliche“ Führung von Anja Tabarelli zu bekommen und ein wenig Akquise in netter Atmosphäre zu betreiben.

Hochmut kommt vor dem Fall! Wie kam ich nur darauf, daß die Marketingchefin einer so bedeutenden Kreuzfahrtlinie Zeit auf einen Schnack mit einem Fotografen haben könnte.

Nun zu meiner dann doch freudigen Überraschung war ja die liebe Bärbel in ihrem „Jenseits von Afrika Look“ mit von der Partie.

Keiner trägt Khaki so überzeugend wie sie.

War mein Kopf vor Antritt der Besichtigung noch voll von „Titanic, Glamour, Smoking, Louis Vuitton, Champagner, Diamanten, Humphrey Bogart, Marlene Dietrich……“, knallte ich schon in der Nähe des Schiffes auf das harte Pflaster der neuen Kreuzfahrt Wirklichkeit .

Autsch das tat weh!

Eigentlich hatte ich das Gefühl ich wäre beim Check-in für den Ferienflieger nach Mallorca oder die Türkei.

Ich möchte wirklich nicht arrogant klingen (ja ich weiss, ich tu es und kann gar nichts dagegen tun, ausser schweigen… will ich aber nicht), aber Shorts, Adiletten, Tanktops, zu enge Karohemden, Sandalen mit Socken, Kapri Hosen für Männer……. ich weiss gar nicht wo anfangen und aufhören.

Sakko, wofür braucht Mann ein Sakko?!

Sommerkleid, Kostüm, wir gehen doch nicht zum Pferderennen nach Ascot , sondern auf eine Kreuzfahrt (nein, ich will auch nicht mehr nach Ascot, die Illusion bewahre ich mir erstmal).

Richtige Schuhe, ich meine nicht Treckingschuhe, ich meine Leder-, Wildleder-, meinetwegen Leinenschuhe, aber bitte geschlossene Schuhe.

Ach, einfach Kleidung, die ein wenig Hollywood, ein bißchen Queen, ein Hauch Kreuzfahrtträumerei ist.

Fehlanzeige, nix, nada….

Und erst die Koffer. Wer war noch mal Louis Vuitton?

Nun denn, das Schiff an sich.

Mein  Steuerberater Rüdiger Krause  sagte mir, als ich ihm von meinem bevorstehenden Event erzählte: „Oh, die Queen Mary 2,  ja das ist noch ein richtig schönes Schiff, nicht so ein Kabinencontainer wie die neuen Kreuzfahrtschiffe.“

Ach Rüdiger, wenn Du wüsstest.

In der Kunst gibt  es den Begriff des „Horror Vacui“ , dieses Prinzip gemischt mit einer faszinierenden Designausprägung des „Nouveau Riche“ (sorry, Tante Wiki ist da sehr schwammig. Neureich, im Sinne von „guten Geschmack kann man nicht kaufen“) war eine Herausforderung für die Augen.

Hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch geglaubt, das Empire wäre nicht Amerika, so durfte ich lernen, es gibt grosse Parallelen zwischen den Hotels in Las Vegas und der Ausstattung  der Queen Mary 2.

Kann es sein, das ich einen abwegigen Geschmack habe?

Bärbel war dann auch ganz fasziniert von den Teppichmustern und wollte eine Schuhmodestrecke mit konsequenter Blickrichtung nur auf die Fussböden anregen.

Die nächste Herausforderung waren die Gerüche.

Vielleicht bin ich ja ein wenig empfindlich, aber die Mischung aus Essengerüchen, kaltem Zigarettenrauch, Reinigungsmittel und ab und an im Abgang eine feine Nase alter Schweiss war nicht das Meerparfüm, das ich auf der Queen Mary 2  erwartet hatte.

Das Essen im Britannia Restaurant war wie erwartet mehr „Schein als Sein“.

Rilettes vom Wildlachs an Wasabischaum

Geröstete Lammkeule an Rösti mit Ratatouille

Nougat Créme Brûlée.

Klingt super, war ja auch umsonst, hat allen geschmeckt, königlich geht anders.

Der Wein hat es dann rausgerissen.

Oder war es der Umstand, dass es Wein am Mittag gab, was mich immer sofort aus den Puschen haut. 2-3 Glas und ich hätte mich fast shanghaien lassen, konnte dann aber doch widerstehn.

Mein Yoga Praxis war aber für diesen Tag gecancelt.

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was macht man auf so einem Kreuzfahrtschiff den lieben langen Tag ausser liegen, essen, trinken?

Wobei trinken kann man da an jeder Ecke, hier eine Lounge, da eine Cocktailbar, hier ein Nachtclub mit Zigarrenlounge…..

Ich befürchte ab dem ersten Abend haben alle Passagiere für den Rest der Reise gehörig einen im Tee.

Will man so was?

Es war ein Erlebnis welcher Art auch immer.

Am Ende muss ich Anja Tabarelli „Danke“ sagen, es war nicht selbstverständlich uns einzuladen.

Und am wichtigsten ist, ich weiss nun, wenn ich die Wahl hätte zwischen Barfuss vor einer Bambushütte auf einer der vielen thailändischen Inseln oder der Atlantikpassage mit der Queen Mary, ich würde die Hütte nehmen.

Soll doch ein anderer die Lackschuh tragen, wenn es auf der Queen Mary 2 denn einer tut.

Ahoi.