Geboren am 03.10.1990 oder wie hütet man Ameisen

Geboren am 03.10.1990 oder wie hütet man Ameisen

Am 26.08. abends rief mich der Fotochef der Bildzeitung Christian Langbehn an und fragte, ob ich Lust hätte für die Sonderausgabe der Bildzeitung zum Tag der Deutschen Einheit ein paar Gruppenportraits im Stile einer Tommy Hilfiger Kampagne zu machen.

Zur Erklärung, am 03.10. jeden Jahres schenkt die BILD jedem Briefkasten in unserem Land eine kostenlose Bildzeitung.

Auflage 43 Millionen Exemplare, ein absolutes Prestigeprojekt von Axel Springer. Fotografiert vom Who is Who der Fotografie, ja auch das kann BILD sein.

Ok, ich bin nun nicht unbedingt  Teil der „WHO IS WHO“ Familie, trotzdem fragte Christian mich an und nannte mir die Fallhöhe von mir bei diesem Projekt, indem er mir die anderen Kollegen nannte, die schon für die aktuelle Ausgabe fotografiert hatten.

Ich sagte zu und meinte noch tief entspannt: „Klar machen wir, wann wollen wir denn fotografieren, der dritte Oktober ist ja noch lang hin.“

Nun der Termin war dann Samstag 29.08. in Berlin.

Schlagartig war es vorbei mit meiner Tiefentspannheit.

Denn die Idee war, 25 Deutsche, die am 03.10.1990 geboren sind, alle zusammen auf 1 Foto zu bringen.

Klingt einfach?!

Nun die Vorgabe war „Tommy Hilfiger Kampagne“.

hilfiger kampagne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10-16 junge ,coole, gut gestylte Models.

Ich bekam 25 echte Menschen, alle ohne jegliche Fotoerfahrung, alle mit möglichst ihrem eigenen Styling.

Den Unterschied von 16 zu 25 merkt man erst, wenn man mal nach guten Gruppenaufnahmen mit so vielen Mensch sucht, die dann eben nicht einfach nur aufgereiht wurden.

Ach ja und es sollte trotzdem „überhöht“, locker inszeniert sein, ohne zu modisch/werblich zu wirken, ging es doch schließlich um „echte“ Menschen und damit um ein glaubwürdig journalistisches Gruppenportrait.

Ich empfehle jedem, nun mal schnell in die U-Bahn zu gehen und sich spontan 25 Menschen im Alter von 25 Jahren rauszupicken und mit obigen Bild zu vergleichen….

2 Tage Zeit für eine coole Location, die gross genug ist für eine locker inszenierte 25 Mann Gruppe.

Bitte indoor und outdoor gleichermassen fotogen, mit Strom, Küche, Klos, Make up Räumen.

4 Make up Artisten, 2 Stylisten, Making-of Kamerateam.

Am Ende waren wir mit den Modellen zusammen 40 Leute auf dem Shooting. Shootingtourismus nicht dazugerechnet.

Es hat geklappt, Freitagabend war alles schick unsere Location war nach langem Suchen das Heynstudio in Berlin, innen perfekter shabby schick, aussen die perfekte Backsteinfassade, mit britisch anmutendem Hinterhofflair.

Nicht zu vergessen ein wirklich grosser Fundus an alten Requisiten um die Leute am Set aufzulockern.

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Um dem Job noch das Krönchen aufzusetzen, sollte es nicht nur eine Inszenierung werden, sondern drei.

Nicht zu vergessen alle Modelle mussten um 17:30 Uhr wieder weg.

Calltime 9:30 Uhr.

Alle Modelle waren von der Redaktion gebrieft worden.

Abendgarderobe, casual wear und ein Requisit oder Kleidungsstück mitzubringen, das entweder etwas über sie oder ihr Hobby erzählt.

Meine für solche Fälle gern genommene, sehr erfahrene Stylistin Stephanie Canisius hatte mit Ihrer Assistentin noch extra Styling zu besorgen um dem Bild „nach Möglichkeit“ den Hauch von Tommy Hilfiger zu geben.

Wir wussten ja nicht, was da aus den Koffer rauskommen würde, siehe U-Bahn und das wirkliche Leben.

Das Make up Team von Basics  Berlin sollte den Rest besorgen.

 

 

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Ja und dann kamen sie!

Auch wenn das Heynstudio nicht gerade klein ist, 40 Leute, die alle durcheinander laufen, die in 4er Gruppen zum Make up verteilt werden wollen, die alle nach und nach ihre Koffer aufmachen, die lange und ausgiebig mit der Stylistin Stilfragen diskutieren (Steph, Du warst grossartig), die Gelnägel haben, die weder ablackiert, noch umlackiert werden dürfen (Nägel in Nude Look sind, wie ich gelernt habe, nicht so weit verbreitet, wie ich dachte), die alle besondere Wünsche, Neigungen und Abneigungen haben, die plötzlich, weil sie DJ sind und in Augsburg am Abend einen Auftritt haben, Internet brauchen, obwohl es im Studio kein Internet für alle gibt.

Es war als wäre eine Herde Wanderameisen über mich und mein Team gekommen.

Ich habe mal wieder so richtig vorgeführt bekommen, in was für einem Mikrokosmos ich doch lebe.

Wenn ich mit einem „Promi“ arbeite, dann nimmt er meine Meinung und Idee ernst.

Hier hatte ich ein Bündel Mensch vor mir, denen es vollkommen egal zu sein schien, dass Matthias Schweighöfer, Eva Padberg, Guido Maria Kretschmer ,Til Schweiger oder Dagi Bee oder oder oder, sich von mir führen lassen und mir vertrauen, dass am Ende des Tages ein gutes Bild für sie oder ihn herauskommen wird.

Seit Jahren hab ich nicht mehr soviel NEIN gehört.

Nein, ich ziehe den Mantel nicht  an, das ist nicht meine Farbe und die andern sagen ich sehe fett darin aus.

Nein, ich steige nicht auf die Leiter (selbst Cindy aus Marzahn konnte im Abendkleid auf eine klapprige Holzleiter steigen), das kann ich nicht.

Nein, ich setze mich nicht auf den Boden, sollen die Anderen sich doch auf den Boden setzen, das ist ja unbequem und da kann man mir unter den Rock sehen.

Es waren nicht alle so, es gab auch gerade bei denen, von denen ich es nicht erwartet hatte, sehr positive Überraschungen.

Nicht zu vergessen, ja, eine grosse Gruppe entwickelt eine eigene Dynamik

und, ja, sie waren aufgeregt und unerfahren und, ja, all das wollten und konnten sie nicht zugeben.

Om Shanti Om – ich weiss!

Es ist ja auch anstrengend und langwierig, bis 25 Leute alle gut sitzen, stehen oder liegen und alle gut in die Kamera schauen.

(Composing wird ja bei er BILD, aus journalistischen Gründen, nicht so gern gesehen, also musste der „Schuss“ sitzen).

Um 17:00 waren alle Bilder im Kasten, Christian und Kai Diekmann waren zufrieden.