Einfach nur ein Stuhl vor grau, Hörzu Kampagne die dritte

Einfach nur ein Stuhl vor grau, Hörzu Kampagne die dritte

Wenn man mir vor 3 Jahren erzählt hätte, dass ich diese Kampagne nun schon zum dritten Mal in Folge fotografieren darf, dann hätte ich ungläubig  gelacht.

Der Normalfall ist eigentlich, dass Kreative jedesmal wieder auf die Suche nach einem neuen, anderen Fotografen gehen, um eine Kampagne zu entwickeln.

Nicht so hier!

Was nicht heisst, dass die Kampagne sich nicht entwickeln sollte.

Diesesmal gab es gleich mal eine einschneidende Veränderung.

Christiane Flatken, nun stellvertretende Chefredakteurin der Hörzu, gab das Zepter für die Kampagne an Erika Junge, die neue Fotochefin, ab.

Christiane, noch einmal an dieser Stelle, ich habe Dich vermisst.

Es hat im ersten Moment irgendwie ein Mitglied unserer Hörzu Fotofamilie gefehlt. Denn das Kernteam ist seit drei Jahren unverändert.

Styling Stephanie Canisius, Assistenz Ruth Kobbe. 

Nur ich ganz unverändert, Steph war schwanger und legte daher ab und an eine gewisse Schwangerschaftsdemenz  an den Tag, einfach nur lustig.

Nicht das da falsche Gedanken aufkommen, Erika ist ein Engel und eine wunderbare „Nachfolgerin“.

Wir hatten so  viel Spaß und sind, wie die Jahre zuvor, auch in dieser neuen Konstellation gemeinsam durch „Dick und Dünn“ gegangen.

Jedesmal, wenn die Hörzu Kampagne auf mich zukommt, bin ich wieder unsicher.

Ich muss sogar sagen, mit jedem Mal mehr.

(Ich sollte so etwas wahrscheinlich  besser nicht schreiben, sind wir Fotografen doch NIE unsicher, sondern immer einfach nur cool, lässig, heldenhaft, allwissend…. oder so).

Mal ganz ehrlich, was sind die „fotografischen Mittel “ bei dieser Kampagne um ein interessantes  Bild zu erzeugen?

Ein Promi, ein Stuhl, ein grauer Hintergrund.

Das war´s.

Brot, Salz, Butter…… 

Mit jedem neuen „Kandidaten“ wird es gefühlt enger im Kopf, die Gefahr sich wiederholende Bilder zu produzieren, Langeweile zu erzeugen, das vorige Jahr zu wiederholen, all das rumorte in meinem Kopf.

Allein die Auswahl an Stühlen wird jedes Jahr spannender, denn zusammen mit der B2B Kampagne Hörzu, die ich auch seit 3 Jahren machen darf, habe ich mit diesem Team an die 25  Menschen auf einen Stuhl vor grau gesetzt.

Jedes Porträt hatte eine Auswahl von 4 Stühlen.

Nach 100 Stühlen, Sofa, Sesseln, Designerstückchen wissen wir im Team schon sehr genau, was geht und was nicht.

Und leider auch, was  wir schon hatten und darum dieses Jahr nicht mehr nehmen wollen.

Ach ja und bitte dunkel, aber nicht zu dunkel, unfarbig und ohne Chrom und ……

Wenn schon die fotografischen Parameter die gleichen bleiben, dann muss sich das Bild woanders entwickeln.

Als ich die Kampagne übernahm kam damals Barbara Schöneberger ins Studio und meinte zu mir :“ Ah, machen wir jetzt wieder eine Gastritis Kampagne?“ (ihr gefielen die alten Motive wohl nicht so doll. Damals  konnte ich noch sagen, ich war´s nicht. Heute muss ich die Kritik, wenn sie denn kommt, auf meine Kappe nehmen.)

Barbara ist einfach herrlich direkt.

Ich gebe es zu, es gab beides, Lob und Kritik gleichermassen, wenn meine Kandidaten ins Studio kamen.

Während Rudi Cerne meinte :“Tolle Fotos Det, ich wollte auch so eines haben, deshalb habe ich hier zugesagt“, kam Anna Maria Mühe ins Studio in Berlin und war erst einmal skeptisch.

Kann ich verstehen bei dem Bruder, welcher ja ein berühmter Kollege ist.

Ich mag, dass denn dann kann ich, mit dem zu Portraitierenden ein Foto erarbeiten, was uns beide wirklich glücklich macht.

Annas beste Freundin jedenfalls meinte zu der finalen Auswahl, dass sie einfach super auf dem Bild aussehen würde.

Ich liebe beste Freundinnen!

Dieses Jahr wollte ich den Versuch zu unternehmen, noch unverstellter zu werden.

Eben nicht das öffentliche Gesicht zu zeigen, sondern den Mensch hinter dem Prominenten, als wenn sich für den Bruchteil einer Sekunde der Vorhang kurz aufschiebt und wir erahnen können, was wir sonst vor lauter Professionalität der zu Portraitierenden vor der Kamera nicht zu sehen bekommen.

Mir kam dieses mal Zuhilfe, dass alle zu Portraitierenden ihre eigenen Make up Wünsche hatten und diese auch durchsetzten.

Was vollkommen OK war.

Johannes B Kerner kam mit Claudia Poppe, einer Hair und Make Up Artistin, mit der er schon seit 21 Jahren zusammenarbeitet.

Wenn man Ruth und mich, die wir  erst seit 5 Jahren zusammen arbeiten, schon für ein altes Ehepaar  hält, was sind dann JBK und Claudia?

Für mich war das super, Claudia kennt Johannes B Kerners Mimik viel besser als ich,

sie kann viel schneller hinter seine Fassade sehen.

Es war mir ein Vergnügen, sie sofort zur Co-Regie zu machen.

Ich bin ja nicht doof, ihr Wissen und ihre Nähe zu Johannes nicht zu nutzen.

Immer wenn Johannes zu mir meinte, er wäre  jetzt echt und locker und überhaupt nicht der “ Fernseh-JBK“  sondern quasi privat „Zuhause“, dann reichte ein Blick zu Claudia und ich konnte mich davon überzeugen, dass mein Gefühl stimmte und wir Johannes noch ein wenig sezieren mussten.

Das Ergebnis war danach ein Bild bei dem er sagte: „TOLL“ .

Eigentlich hatte ich diesmal permanent eine Co-Regie mit am Set.

Zum Teil war es sogar ein freudiges Wiedersehen mit Künstlern, mit denen ich  schon vor längerer gearbeitet habe, wie bei Eckhard von Hirschhausen und Til Schwieger, was den Job erheblich erleichterte, gerade wenn die äusseren Umstände eher suboptimal waren.

Eckhard shooteten wir in der ehrwürdigen Uni zu Heidelberg, in einem historischen Sitzungssaal, einem provisorischen Studio unter einem riesigen Kristallüster.

Til kam nach einem Nachtdreh nur über einen Stadtviertel Weihnachtsmarkt in Berlin durch eine dichtgedrängte Menschenmenge ins  Heynstudio in Berlin,

Wobei die Kids aus dem Viertel direkt vor dem Studio gerade ihr Weihnachtsmärchen zum 

besten gaben und sich daher niemand für Til interessierte, der sich mit mir durch die Menge schob.

Ich wurde nur, weil ich voranging, sehr heftig angepöbelt, was mir denn einfiele, die Leute beim ansehen der  Aufführung zu stören.

Was ist das Résumé?

Alle Portraitierten mögen sich auf „ihrem“ Bild. Haben sie zumindest gesagt.

Ich glaube/ hoffe, Anna Maria wird die Hörzu Kampagne in diesem Jahr nicht „steif “ finden.

André Musch von der Hörzu schrieb mir:

Vielen Dank noch einmal für deine  – wie immer – super Leistung.

Ich freue mich aufs nächste Mal :-)

Beste Grüße

André 

 

Ich freu mich auch!