Nasenbluten im „Paradies“ – Shooting Bildgirls 2015

Nasenbluten im „Paradies“ – Shooting Bildgirls 2015

Im Dezember rief mich der stellvertretende Fotochef der Bildzeitung, Christian Langbehn, an und fragte mal so nach, wie ich denn zu Nackten stehe.

Nach ein paar spontanen, nicht zitierfähigen Männerwitzen von beiden Seiten, kam er dann zum wirklichen Thema.

Hätte ich Lust, 2 Tage lang die 12 Monats- Bildgirl Gewinnerinnen einzeln und als Gruppe zu fotografieren?

Lohn der Arbeit, neben dem Honorar, wäre dann am dritten Tag eine 8 Seiten Strecke im Playboy.

Um das Kopfkino des Lesers kurz mal gerade zu rücken, es ging  nicht darum, 12 Bodymodels, alle maximal 25 Jahre alt, in best shape, gelenkig wie Tänzerinnen, die sich dann lüstern vor der Kamera räkeln, zu fotografieren, sondern um 12 Frauen von Nebenan.

Tag 1: 12 Frauen einzeln in je 2 Einstellungen.

Tag 2 : 2 Gruppenaufnahmen aller 12 Frauen, sowie jede einzeln vor weiss.

Tag 3 : Shooting der Gewinnerin für den Playboy.

Bevor ich noch 1 Bild der Frauen gesehen hatte, sagte ich zu.

(Vielleicht doch ein wenig Kino in Kopf?)

Unter der Bedingung, dass ich Konzept, Team und Postproduktionsagentur bestimmen darf.

Ganz wichtig war mir, dass für den Posten Retusche ein anständiges Budget aufgemacht wird.

Das Tolle an Christian, welcher selbst ein Fotograf ist vor dem ich den Hut ziehe, er will gerade für die Bildzeitung top Qualität haben.

Die Herausforderung war spannend, Bodymodels kann jeder.

Ich muss sagen, mir ist es egal, ob ich für die grösste deutsche Tageszeitung oder für ein Highfashion Magazin arbeite. Hauptsache, das Ergebnis ist so gut, dass ich meinen Namen darunter sehen möchte.

Im Vorfeld des Shootings war es mir ein grosse Freude all meinen männlichen Freunden zu erzählen, dass mein  Jahr 2016 mit 2 Tagen Shooting mit 12 nackten Frauen beginnen würde.

Wer mir nicht alles die Lampen halten wollte?!

So stellen sich also Männer im allgemeinen das Paradies vor, sehr interessant.

Zu meinem Unglück wurde ich 2 Tage vor dem Shooting erst mal so richtig krank.

Nasennebenhöhlenvereiterung, Antibiotika, Kopfschmerz, das ganze Programm.

Schnupfen ist schon bei einem normalen Shooting suboptimal, aber auf einem Akt/ Wäscheshooting ist es eine „grande catastrophe“ für den Fotografen. Es braucht für solch ein Shooting logischerweise stark überheizte Räume, die Luft ist dann eher knochentrocken, wodurch meine gereizten Schleimhäute Amok liefen.

Mir blutete am 2ten Shootingtag permanent die Nase.

Wie sagt der Österreicher André Heller so schön:“Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo“.

Mit Shootingbeginn kam das „Nirgendwo“, wenigstens für mich persönlich.

Um das klar zu stellen, jede einzelne der 12 war menschlich Zucker auf ihre eigene Art.

Aber einfach nackt zu sein ist einfach nackt  sein.

Da gibt es kein Geheimnis mehr, da gibt es nichts mehr zu vermuten, da gibt es nur noch die Wirklichkeit im grellen Fotolicht.

Ich konnte am eigenen Leib erfahren, wie lange  Nacktheit spannend ist.

Wie lange mag Mann auf Brüste schauen, wenn sie im Zwölferpack an einem vorbeilaufen.

Meine Halbwertszeit ist 10 Minuten, dann sehe ich die Brüste nicht mehr, gut da ist mehr als Brüste, aber auch das ist dann weg.

In diesem Fall war es so, dass 50% der Frauen mit Brustimplantaten optimiert waren.

Alle Optimierten hatten für meinen Geschmack definitiv zu tief in die Gelkissen Kiste gegriffen und somit irgendwie Fussbälle vor der Brust.

Ich glaube Arthur Miller sagte einmal zu Marilyn Monroe, als sie ich über ihre kleine Oberweite beschwerte: „Anything over  a mouthful is wasted“.

Ich sage dazu jetzt mal nix!

Ich sag auch mal nix dazu, dass einige Modelle mir körperliche Schmerzen zufügten.

Wir Männer kennen den Phantomschmerz in unserer Hose, wenn wir im Kinofilm mit ansehen müssen, wie einem Geschlechtsgenossen in die „Eier“ getreten wird.

Den ganzen Tag hatte ich permanent Phantomschmerzen an meinen eigenen Brustwarzen, wenn ich sah, wie den Modellen mit eiskalten Colafläschen die Nippel runtergekühlt wurden oder sie ohne jede Regung minutenlang an ihren Nippeln herumdrehten, als suchten sie verzweifelt einen Radiosender in der Tiefgarage.

Ich musste mich tatsächlich ab und an innerlich schmerzverzerrt wegdrehen.

Bleibt bei mir die Frage, geht da was kaputt wenn Frau sich Kissen unterschieben lässt?

Da ich bedingt durch die langen Shootingtage eh keine Zeit zum Yoga hatte, tanzte ich nicht nur meinen Namen, sondern auch alle möglichen und unmöglichen Posen für die Modelle vor, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Lustiger, grauer, alter Mann erheitert sein Team.

Während am Tag 1 noch Friede, Freude, Eierkuchen Stimmung herrschte, bekam ich am zweiten Tag, als es immer näher auf die Entscheidung zuging, einen kleinen Vorgeschmack von den menschlichen Möglichkeiten einer GNTM Staffel hinter den Kulissen.

Die finale Entscheidung war dann auch für alle eine Überraschung.

Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass solch ein Marathon keine Einzelleistung ist.

Vanessa Maas vom Haller 6, Andrea Kadler, Sayuri Bloom, Anne Henrichsen, Manos, Charlotte Kuhrt, Marco Alecci, mein liebe Ruth Kobbe und alle vom Team der Bildzeitung haben eine grosse Fotofamilie gebildet, die diese Tage dann doch ein wenig paradiesisch gemacht haben.

Der liebe Patrik Hanuschka von Glamtouch hat dann am Ende  mit seinem Team dafür gesorgt, dass die Mädchen von Nebenan doch noch ein wenig zu einem visuellen Abenteuer wurden.

Das Playboyshooting  habe ich dann den Kollegen „Lars Hermanns“ machen lassen, ich war einfach zu krank und hatte genug nackte Tatsachen gesehen.