Ich seh schwarz! Mein Test mit dem Prototyp Leica S (Typ 007)

Ich seh schwarz! Mein Test mit dem Prototyp Leica S (Typ 007)

Während ich im letzten Sommer bei Briese die neuen Focus 2 Schirme verschiedenster Bauart eingehend getestet habe, kam Hawe jedesmal wenn ich im Studio mit meiner Canon arbeitete, mit seiner Leica S2 vorbei und meinte, ich solle doch mal mit der Leica arbeiten, die wäre doch viel besser als meine Canon.

Selbst als ich meine letzten Beauties mit meiner neuen Canon 5DS schoss, meinte er, wie jedesmal, wenn ich ihm meine Ergebnisse zeigte, mit einer Leica geht das besser.

Ich glaube, Hawe ist ein Fan von Leica.

Mir sagte Leica ehrlich gesagt nix.

Leica!

Das war für mich die „Leica M“, „Reportagefotografie“, Geschichte der Fotografie, aber nicht heute.

Die einzige Leica Spiegelreflexkamera im Kleinbildsegment habe ich während meines Studium gesehen, eine Professorin „Gisela S“ fotografierte damit.

Ich fand die Dame doof und so übertrug ich das „doof“ auch auf die Kamera.

In der Hand gehabt, geschweige denn mit irgendeiner Leica gearbeitet, habe ich nie.

Ich bin mit Nikon und Hasselblad aufgewachsen.

Als die Welt dann digital wurde, wechselte ich zu Canon und wenn mal Pixelwahn betrieben werden sollte, lieh ich mir eine Phase One.

Hawe liess nicht locker.

Am Ende des Sommers kam er auf die Idee ein Shooting zu machen, wo wie er sagte, das BESTE zusammenkommen solle.

Leica S(Typ007) und Briese Focus2.

Das BESTE?

Pooh! Grosse Worte einfach so dahingeworfen.

Der grosse Nachfolger der „doof“ Kamera meines Studiums mit mickrigen 37,5 mio Pixel

soll sozusagen das Brieselicht unter den Kameras sein?

Skepsis, dein Name ist Det.

Ich hatte das Gefühl, mein lieber Freund wollte mich vom Canon Saulus zum Leica Paulus machen.

Nun der Yogi in mir lernt ja jeden Tag aufs Neue nicht zu bewerten, sondern vorurteilsfrei hinzusehen.

Und mein Studium ist 25 Jahre her, es wäre also Zeit.

Also gut.

Hawe und ich überlegten uns, was wir an Gemeinheiten auf den Tisch bringen wollten, um der Weiterentwicklung der Leica S2 mal so richtig auf den Zahn zu fühlen.

Das Konzept, welches ich für uns ausarbeitete nannte ich Same/Same.

In Erinnerung an den Film von Detlev Buck „same same but different“.

(Ganz andere Thematik, hat nix mit diesem Testshooting zu tun, toller Film übrigens.

Passte aber trotzdem.)

Hawe und ich wollten parallel fotografieren.

Er auf weiss, ich auf schwarz.

Er fotografiert erst ein weissblondes Modell mit weisser Mode vor weiss,

ich fotografiere erst ein dunkelhaariges Modell mit schwarzer Mode vor schwarz.

Dann würden wir die Modelle tauschen und Hawe bekäme das dunkelhaargie Modell mit schwarzer Mode vor weiss und ich das weissblonde Modell mit weisser Mode vor schwarz.

So der Plan.

Der Knackpunkt bei dem Konzept lag hier bei der „Mode“ und da kam Andrea Kadler mal wieder ins Spiel.

Ich liebe Andrea dafür, dass man ihr die unmöglichsten Brocken hinwerfen kann und sie daraus, ein wunderbar modisches Styling zaubert, ohne das Briefing zu vernachlässigen

(Andrea, Du darfst nun ruhig einen Moment Verlegenheitsrouge auflegen).

Andrea musste für unser Shooting Styles finden, die in den Oberflächen so beschaffen waren, dass es bei jedem einzelnen Style eine fotografische Nuss zu knacken gab.

Ach ja, es sollte natürlich bei aller Problematik ein schönes Bild ergeben, was man sich aufhängen will. (Nicht so, wie sonst bei Testbildern von Kamerafirmen, die für meinen Geschmack immer irgendwie schrecklich aussehen.)

Und das tat sie, Pailletten vor schwarz, Pailletten auf weiss, Layer aus strukturiertem Plissee, Lack auf Samt….

Es war die reinste Hölle für Licht und Kamera.

Mit anderen Worten: „Es war angerichtet.“

Nun für die Focus 2 Schirme war das keine Gefahr, das hatte ich ja schon erlebt.

Wie würde sich die Leica S (Typ 007) schlagen?

Da ich noch gar keine Erfahrung mit Leica hatte, gab mir Stephan Schulz von Leica einige Tage vor dem Shooting eine Test Leica zum „spielen und anfreunden“ mit nach Hause.

Also ging ich mit der Leica S (Typ 007) und meiner Canon 5DS ein paar Tage in Klausur, fest davon überzeugt es würde kein Argument für die Leica sprechen.

Meine Canon ist eh viel viel billiger und mindestens genauso gut.

Hups, da war sie wieder die „doof“ Kamera Voreingenommenheit.

Schlechter Yogi, schlechter Yogi.

Ja, die Kamera ist schwer, aber nach kurzer Eingewöhnung ist sie sehr logisch aufgebaut.

Man darf sich von dem Äusseren nicht täuschen lassen, die Leica ist eine Mittelformatkamera

auch wenn sie aussieht wie eine Kleinbildspiegelreflex die zuviel Testesteron geschluckt hat.

Auch wenn sie „nur“ 37,5 mio Pixel hat.

Alles Argumente dagegen.

Stimmt!

Jetzt einfach mal genau hingesehen.

Ich habe mal die Daten meiner Canon 5DS mit der der Leica S (Typ007) verglichen, speziell in den tiefen Schattenbereichen.

Ich würde jetzt gerne schreiben, da geben sich die beiden Systeme nix.

Aber das stimmt ganz und gar nicht.

In den Schatten rauscht und pixelt die Canon im Vergleich zur Leica wie ein Fernseher ohne Empfang.

Man kann sagen, die Canon rauscht im dunklen Walde und bei Leica da ist Ruh.

Kommen wir nun zu den scheinbar „mickrigen“ 37,5 mio Pixeln im Vergleich zu 50,3 mio bei Canon.

Ich muss mal eine Schleife drehen.

Im Jahr 2015 habe ich die Hörzu Kampagne „Einer, der Hörzu Zuhause hat„ mit der Canon 5D Mark III mit 25mio Pixel fotografiert.

Für das Jahr 2016 habe ich die aktuelle Kampagne mit identischem Lichtaufbau und der gleichen Postproduktion, dank an Pixology, mit der Canon 5DS auf 50,3 mio Pixel fotografiert.

(Ich hatte über den Vergleich Canon 5D Mark III und 5DS schon in meinem  Blog geschrieben.)

Ja, die 5DS ist definitiv besser als die Mark III.

Das Fotografieren war aber viel schwieriger weil der Chip wegen der Pixeldichte sehr schnell anfängt Bewegungsunschärfen zu erzeugen, auch im Studio.

Ruth war permanent am meckern mit mir.

( die Leica S(Typ 007) ist da wesentlich gnädiger, durch den grossen Chip zappeln die Pixel deutlich weniger)

Die meisten Objektive von Canon, gerade die so beliebten Zoomobjektive wie z.b 24-70mm bringen die Möglichkeiten der Pixel in einer Einstellung, wie wir sie bei Hörzu, hatten im Moment noch nicht so richtig auf die Strasse. Besonders unter realen Shootingbedingungen.

Shooting ist etwas komplett anderes als ein Testaufbau.

Das Ergebnis für mich aus der Erfahrung der beiden Kampagnen.

Lieber gute Pixel hochrechnen, als mit vielen nicht so guten Pixeln arbeiten.

Meiner Erachtens nach wird die Pixeldiskussion immer noch ohne Sinn und Sachverstand betrieben.

Mehr Pixel heisst oft nur mehr Daten, aber nicht mehr echte Qualität.

Schleife fertig.

Nach unserem Test Shooting ,

bei dem Udo Farnschläder und Miriam Jochim

sowie die beiden Modelle Lea Banasch und Isabel Neumair,

nicht zu vergessen meine wunderbare Assistentin Ruth, einen tollen Job gemacht haben, ziehe ich tatsächlich meinen Hut vor Leica.

Die Daten der Leica S (Typ007) sind einfach TOP.

Die Objektive sind, was die Linien und Tontrennung angehen, „way beyond“.

Was mich aber am meisten beeindruckt hat…

Ich seh schwarz, absolut rauschfrei schwarz.

Ich seh weiss, in weiss, in weiss, in weiss……

und schwarz , in schwarz, in schwarz…….

Ich sehe so feine Details, daß der liebe Patrik Hansuchka von Glamtouch bei der Bearbeitung der Bilder fast kein Ende finden konnte, so fein konnte er sich in die einzelnen Strukturen auf den Bildern verlieren.

Das Bessere ist der Feind des Guten, Leider wahr!

Im Musical Anatevka singt Tevje: “Wenn ich einmal reich wär,

o je wi di wi di wi di wi di wi di wi di bum…….“

Dann wäre ich ein Leica S (Typ007) Fotograf.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

 

 

Und hier das making of und ‚Interview zum shooting