Liebe auf den dritten Blick oder „Hello Sony, goodbye Canon!“

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Liebe auf den dritten Blick oder „Hello Sony, goodbye Canon!“

Ich habe seit der Umstellung auf digitale Fotografie im Kleinbild und später dann im Mittelformat (50 mio Pixel, Canon 5DS) immer mit Canon fotografiert.
Mir kam nichts anderes ins Haus, außer ein Kunde bestand auf mehr als 50 mio Pixel, dann habe ich halt eine Phase One geliehen, besitzen wollte ich die allerdings nie.

Ich konnte damit noch nicht einmal umgehen, die musste meine Assistentin einstellen, ich habe dann nur den Knopf gedrückt.

Ich war mit Canon, wie man so schön, sagt voll ausgestattet, war Platin Kunde beim Professionell Service.

Um den poooooh Angeber Kommentaren vorzugreifen, das hat nix mit der Qualität des Knipsers zu tun, kann jeder werden, wenn er genug Geld für Canon Geräte ausgibt.

Toller Service übrigens.

Um mich herum bewegte sich irgendwann etwas.

Im Herbst 2016 verkaufte ein Kollege all sein Canon Equipment und stieg komplett auf Fuji X Pro 1 um. Meine geschätzte Assistentin Ruth tat es ihm gleich.

Ein Werbefotograf geht weg von Canon? Meine Assistentin geht weg von Canon?
Neugierig geworden lieh ich mir eine Fuji X Pro 1, musste aber feststellen, die Datenqualität die diese Kamera erzeugte, reichte meinen Ansprüchen nicht.

Aber wie sagt man so schön, die Saat des Zweifels war gesät, es rumorte in mir, auch weil ich immer, wenn ich mit der Canon mit den ganz offenen Objektiven (85mm,1,4, 50mm, 1,2….)

fotografierte, fast nie ein wirklich punktscharfes Bild zustande brachte und Ruth am Rechner mir permanent zuraunte: “Det, das geht schärfer“.

Recht hatte sie! Nervig war es trotzdem!

Als dann die Sony Alpha 9 auf den Markt kam, lieh mir Probis die Kamera mit einem wirklich müden 24-70mm 4,0 für eine freie Produktion.

Das Menü der Kamera war der reinste HORROR!
OK, ok mehr als 10 Jahre Canon Menü und dann mal schnell umstellen ist schwer, aber das was Sony da machte war schon krass. So viel Info auf einmal wollte ich einfach nicht haben oder um ehrlich zu sein, so viel Info war einfach zu viel für mein analoges Hirn.

Auf dem Shooting legten wir die Kamera nach ein paar Minuten zu Seite.

Zum einen war das tethering mit Capture alles andere als stabil (das funktioniert heute ganz großartig), zum anderen war die Offenblende 4,0 einfach LAAAAAAANGWEILIG.

Aber eines war sofort zu sehen, die Daten waren erste Sahne, da kam meine Canon nicht mit und das Thema Autofocus war mit Sony auf einem ganz neuen Level, es war als würde der Maulwurf plötzlich Adleraugen bekommen.

Als ich die Kamera nach dem Test mit heftiger Kritik an dem Menü bei Probis wieder zurück gab, sagte der liebe Michael Reimers mir in seiner trockenen Hamburger Art: “Det, Du bist einfach zu alt für diese Kamera, jüngere Kunden unter 40 habe mit dem Menü gar kein Problem“.

Alter grauer Mann, war es schon soweit mit mir gekommen, dass ich moderne Kameramenüs nicht mehr verstand?

Da hatte ich also eine Kamera getestet, die Top Daten machte und einen top, top Autofocus hatte, aber ich kam mit ihr nicht zurecht.

Oh was bin ich armselig, erst mal zurück auf die Comfortzonencouch und das Thema zur Seite legen dachte ich.

Ging leider nicht mehr, der Samen des Zweifels keimte – war Canon oder meinetwegen auch Nikon, also Spiegelreflex mit all seinen vor und Nachteilen, nicht mehr das Maß der Dinge?

Also runter vom Sofa!
Schluss mit schmollen, jetzt war ich angefixt, jetzt wollte ich es wissen.

Als nächstes lieh ich mir eine Hasselblad  X1D, tolles Design, liegt super in der Hand, fantastisch verarbeitet, einfaches Menü, auch für Senioren geeignet.
Fazit schon nach 1 Stunde Test, zu schwer, zu langsam, gerade der Autofocus.

Das war also nicht die Kamera, die meine Canon ablösen konnte.

Durchgefallen!

Probis schickte mich dann letzten Sommer auf deren Kosten zu einem Sony Alpha 9 Event nach Köln, vielleicht würde ich ja doch noch meine Liebe zu Sony entdecken.

Es war das erste Event dieser Art, auf das ich ging.

Eine Halle voller schlecht gekleideter Menschen, die wohl irgendwie Fotografen waren, alle mit einer Kamera um den Hals, ein Japaner auf Speed auf der Bühne, der in einem Englisch mit schwerem japanischem Akzent maschinengewehrartig seine Kamera lobte und erklärte. Ihm folgte der erste Brand Ambassador, der grauenhafte Amateurbilder von pummeligen Mädchen im Gras zeigte und dabei den Autofocus der Kamera lobte, damit nicht genug, der nächste Brand Ambassador, ein großer Mann mit riesigem Ego, zeigte zwar wirklich beeindruckende Eventfotos, hatte aber scheinbar das Ziel, den Japaner in Lautstärke und Stakkato zu toppen.

Unerträglich.

Dazu noch all diese komischen Menschen die sich alle gegenseitig fotografierten, warum machten sie das?
Warum gingen sie nicht zu den aufgebauten Fotostationen und was sollten diese Fotostationen überhaupt?
Kann man so eine Kamera die man noch nie vorher in de rHand gehabt hat „kennenlernen“?
Mega schräg!
Ich war geschockt und wollte eigentlich nur noch raus und weg, zurück nach Hamburg, wo die Uhren irgendwie anders tickten – oder nicht?
Jörg Hagitte von Probis Hannover war mein Anker um zu bleiben.
Ich bekam eine Sony Alpha 9 mit Objektiv um den Hals gehängt (nun war ich auch Einer von den grauen Menschen in der Halle geworden) zusammen mit Jörg versuchte ich dem Rätsel des Augenautofocusbuttons mit Hilfe eines überforderten Sony Mitarbeiters auf den Grund zu kommen.
Ohne Erfolg, denn dieser musste im MY MENÜ der Kamera erst belegt werden und dafür war nun wirklich keine Zeit.

Schon wieder ein Reinfall mit Sony, also weitersuchen.

Fuji brachte ihr neues Flagschiff, die Mittelformat Kamera GFX 50S, auf den Markt.
Probis angerufen und auch diese Kamera getestet.

Durchgefallen!

Groß, langsam, irgendwie unsexy ( ja, das gibt es auch bei Kameras, finde ich ).

Vielleicht ja doch eine Leica SL.

Ok, ziemlich teuer, gerade was die Objektive angeht, aber die optische Qualität konnte ich ja schon beim Testshooting (ich seh schwarz)testen und die ist hervorragend.

Leider gibt es zwei absolute Totschlagargumente gegen die Leica, mal abgesehen vom Preis. Sie arbeitet nicht mit dem Standardprogramm für Fotografen und Assistenten, Capture One und sie wird es auch in Zukunft nie tun, wie ich auf einer Expertenrunde bei Leica, zu der ich eingeladen war, erfahren durfte. Außerdem hat sie nur 24 mio Pixel, was nicht mehr Stand der Technik ist, gerade wenn es um Werbefotografie geht, wenn man sich nur ein Gehäuse leisten kann.

Irgendwie war ich nun am Ende genauso schlau wie am Anfang.

Ich wusste nun, es gibt eine gute spiegellose Kamera, mit 42,4 mio Pixel und einem hervorragenden Autofocus und Objektiven, die Leica in nichts nachstehen, noch dazu liefert sie Top Daten leider war auch diese Kamera von Sony. Und für Sony war ich einfach zu alt, wir erinnern uns.

Wie heißt es so schön, wer sich entwickeln will muss raus aus seiner Komfortzone in meinem Fall „back to youth“.

Also ein drittes Mal Sony.

Probis stellte mir die Sony Alpha7RII mit Objektiv für unbestimmte Zeit zum Testen zur Verfügung und jetzt schloss ich mich 1 Woche mit der Kamera ein, willens über meinen grauen Schatten zu springen und ihr eine Chance zu geben.
Ich ackerte das Menü durch, konfigurierte mir alle Knöpfe und das „MY MENÜ“ so wie ich es brauchte, gewöhnte mich langsam, zögerlich an die andere Kamerahaptik und –

„Liebe auf den dritten Blick“, der Knoten platzte.

Natürlich arbeitete die Sony Alpha 7RII mit Capture, ja selbst Ruth meine Assistentin musste zugeben, die Daten waren Top und die Schärfe erst.
Selbst beim Arbeiten mit Canon Objektiven über einen Adapter an der Sony waren die sonst so unscharfen Optiken von Canon punktscharf (meine neuen Sony Objektive waren noch auf der Reise zu mir, daher für eine kurze Zeit der Umweg über den Adapter).

Einziger Nachteil, sie war ein wenig langsam. Bei meinem Shooting mit Bastian Pastewka war daher der Running Gag  „Achtung Datenstau“;-(

Ein paar Wochen später kam dann die Sony Alpha7 R III auf den Markt und in meinen Fotokoffer und das Thema Datenstau war Geschichte.

Aktuell habe ich die Sony Alpha 7RII umgetauscht gegen die Sony Alpha 7III (24,2 mio Pixel).

Jetzt habe ich für Werbejobs die geforderten Pixel und für redaktionelle Job die sinnvoll gemäßigten Pixel mit einem noch schnelleren Autofocus als bei der Sony Alpha 7 RIII.

Abschließend kann ich sagen, das Rauschverhalten selbst bei High ISO  ist bei Sony „State of the Art“, auch Leica ist nicht besser, meine Canon 5DS ist dagegen einfach schlecht.

Sony hat wohl im Moment gerade was Schwarzdurchzeichnung angeht die Nase vorn.
Ich habe mal einpaar Testdateien zu meinen Freunden von Glamtouch geschickt und die waren in punkto, Schwarzdurchzeichnung, Konstrastumfang und High ISO Rauschen, einfach platt.

Das hatte Patrik so noch nicht gesehen. Sein trockener Spruch:“ ja kann man machen“.

PAUSE

„Ja kann man sogar gut machen“!

Ich weiß, ich habe meine 5DS mal gelobt (der vergessene Pfandbon) aber das Bessere ist halt des Guten Feind

Der Autofocus der Sony ist, ich kann es einfach nicht anders sagen: „GEIL“!
Das Thema „out of focus“ ist Geschichte meine Assistentin kann sich endlich am Rechner entspannen.

Es war ein interessanter, langer Weg von mehr als 1 Jahr.

Am Ende bin ich voll und ganz happy mit meiner Entscheidung.

Ganz großer Dank an Probis und ganz speziell an die beiden Michaels, die mich auf meiner Suche ausgehalten und unterstützt haben.