Interview GOSEE 01.12.2021

 

 

Was zeichnet Deine Arbeiten aus, gibt es einen Det Kempke Stil?

Diese Frage müssten eigentlich diejenigen beantworten die meine Bilder ansehen.
Kann man meine Bilder ohne, das der Name dabei steht, erkennen? Ehrlich, ich weiß es nicht, ich
hoffe es aber. Es gibt bei meiner Arbeit, die sich in den letzten 3 Jahren grundlegend gewandelt hat,
eine zugrunde liegende Idee am Bild.
Ich versuche immer ein pures, scheinbar einfaches,
glaubwürdiges Bild zu machen.

Pur!

Alles, was nichts zu der Erzählung im Bild beiträgt, wird weggelassen und weggeschnitten.
Es gibt in meinen Bildern nichts überflüssiges, am Ende sorgt der Bildbeschnitt für die finale Klarheit
in meinem Motiv.

Scheinbar einfach!


Früher sah man mir die Technik, besonders die Lichttechnik, an.
Heute nutze ich mit all dem angesammelten technischen Wissen nur so viel Technik wie nötig und so
wenig wie möglich, um frei und spontan ein Bild zu finden.

Fotografie ist heute für mich ein Spiel mit dem hintergründig technisch machbaren. Die Technik darf
aber NIE erkennbar sein. Durch die Verzahnung von Fotografie und Film, die ich mehr und mehrausbaue, bekommen auch meine Standbilder einen zunehmend filmischen Look.

 

Glaubwürdig!


Es gibt für mich nichts schlimmeres als oberflächliches, aufgesetztes, unauthentisches gepose.
Der Mensch in meinem Bild muss in allem was er tut, auch wenn es ein noch so schräges Posing wird,
glaubwürdig sein.
Mimik, Körpersprache, Körperspannung – alles muss echt sein. Gerade in der Verzahnung von Foto
mit Video sieht man sehr schnell, wann ein Protagonist glaubwürdig agiert und wann nicht.
Erst wenn wir zusammen, Modell und Fotograf gemeinsam, ein „echtes“ Bild erzeugt haben,
sind wir fertig. Das verlangt ein großes Maß an Klarheit in meinem Kopf und ein großes Maß an
Vertrauen bei meinem Gegenüber. Gerade das macht es so spannend für mich.

Welche Rolle spielt für Dich als visueller Mensch die Atmosphäre am Set, läuft bei Dir Musik und wie bereitest Du Dich und das Team darauf vor?


Vor ein paar Jahren beschwerte sich eine Kundin bei mir auf einem Shooting mit den Worten: „Ihr arbeitet ja gar nicht. Hier ist eine Stimmung als hättet ihr Freizeit und wäret nicht auf einem Job.“
Recht hatte sie. Ich habe ihr geantwortet, wenn sie merken würde, dass wir arbeiten, dann hätte ich
etwas falsch gemacht. Es ist für mich, und ich unterstelle das auch für alle in meinem jeweiligen
Team, ein großes Privileg, Fotos machen zu dürfen. Das Mindset aller um mich herum ist „lasst uns
Spaß haben“. Das schafft eine Leichtigkeit, die über allem schwebt. Darüber hinaus nehme ich mich
als Fotograf nicht zu ernst. Ich arbeite nach dem Motto „das Ganze ist mehr als die Summe seiner
Teile“. Jeder am Set ist gleich wichtig! Ausnahmslos jeder am Set soll sich wühlfühlen und wie sagt
man so schön „gesehen“ werden. Wenn jemand Musik braucht, bitte gerne, möge er seine Musik
auflegen. Egal welche Musik das ist. Ok, bei Heavy Metal oder Punk bitte ich dann vorsichtig darum,
es in den Shooting Pausen etwas leiser zu drehen. Jede Idee zum Shooting will vor Ort gehört und
abgewägt werden. Wie doof wäre ich denn, wenn ich die Gedanken um mich herum nicht nutzen
würde.
Ja, am Ende führe ich die Gedankenfäden aller zusammen und mache daraus mein Bild geprägt vom
Spirit meines Teams. Ich arbeite NIE, schon gar nicht wenn ich fotografiere oder filme. Ich verbringe
Zeit mit Freunden.

Wie wichtig ist ein Moodboard bei Deinen Editorials und wie findest Du den Titel einer Strecke?

Ich bin ein Konzeptionsmensch, schließlich habe ich Fotodesign studiert, das beinhaltet Konzeption
und Entwurf. Ich fotografiere also niemals einfach so drauf los.
Meine Moodboards entwickle ich immer im Team. Vielleicht ist es eine Location oder ein Bild,
welches in mir etwas auslöst und zu einem ersten Gedanken, zu einer möglichen Geschichte führt.
Diesen ersten Gedanken schicke ich dann zu z.B. meiner Stylistin. Ich werfe quasi einen Ball in die
Luft und schaue, was mir zurückgespielt wird.
Moodboards / Geschichten entwickeln ist kreatives
Tennis spielen.

Ich liebe es schon im Vorfeld von Shootings Ideen auszutauschen und Ideen zu entwickeln.
Jedes Shooting hat eine ausgefeilte Powerpoint Präsentation zur Grundlage ganz so als würde ich
eine große Kampagne fotografieren. Weil jeder in diesen Ideenprozess mit eingebunden ist, weiß
auch jeder beim Shooting, was meine Idee zu dem Shooting war und jeder hat schon seine eigene
Interpretation dazu abgegeben. Das macht das Arbeiten dann sehr effektiv.
Dann, während des Shooting Prozesses heißt es für alle den vorgegebenen Rahmen spontan,
spielerisch, im Momentum zu entwickeln und vielleicht sogar zu verwerfen, wenn der Shooting Tag
etwas Besseres zu bieten hat als die vorentwickelte Idee.

Das Konzeptboard ist der Rahmen, in dem am Shootingtag alle befreit spielen.Der Titel kommt immer aus der Geschichte heraus, manchmal einfach so nebenbei.
Bei meinem letzten Editorial „the deconstructed bling” setzt er sich zusammen aus dem BLING des
riesigen Schmucks von Colleen B Rosenblatt und der ungeordneten Location im Play Studio, wo alle
Kulissen auseinandergebaut, quasi dekonstruiert herumstanden.
In dem Fashionclip zu dem Editorial habe ich dann den Aspekt der „Dekonstruktion“ weitergespielt.

Bei einem anderen Shooting „ Ebony on Ivory“ hatten wir einen elfenbeinfarbenen Hintergrund aufdem ein farbiges Modell fotografiert wurde. Ebony skin stand also auf Ivory Fond. Fertig war der Titel.

Wie gelingen dir in Zeiten der digitalen Bilderflut Motive, die herausstechen und Kunden
nachhaltig beeindrucken?

Ich sammle jeden Tag ca. 20-100 Bilder die ich in Fotos auf meinem Rechner speichere.Ich finde die digitale Bilderflut, wie Du sie nennst, großartig, denn heute kommt man ohne großen
Aufwand an Inspiration für seine Arbeit. Ich lese jeden Newsletter und speichere alles an Bildern die
mich inspirieren. Und dann mache ich einfach „MEIN“ Bild, denn die Realität eines jeden Shootings
ist ja komplett anders als die schon fertigen Bilder, die ich zur Inspiration gesammelt habe.

 Was lässt ein Foto zu einem guten Foto werden?

 

Ein gutes Foto wirkt unmittelbar. Es wirkt direkt, zieht den Betrachter emotional
in sich hinein. Es ist lässt einen Film im Kopf des Betrachters ablaufen.
Ein gutes Bild ist einfach und 
klar, ohne unnötigen Schnickschnack.

Parallel zu Deinen Modeshootings produzierst Du auch Filme. Warum und was ist für Dich der
Unterschied zwischen den beiden Medien?

 Während meines Studiums habe ich ein paar Semester Filmdramaturgie im Nebenfach mitstudiert.
Ich liebe bewegte Bilder, denn man kann andere Dinge erzählen als mit einem Foto. Film,
Filmmontage, Filmmusik sind quasi die Erweiterung von Foto. Das ist aber auch die Herausforderung.
Jeder der Film macht und sich Director oder DOP nennt, wie das heute so gerne einfach mal gemacht
wird, sollte sich intensiv mit Filmschnitt und Filmmusik beschäftigt haben und auch mehr als 1-mal
selbst eine Filmkamera bedient haben.

Ein Foto ist nur ein einziger gefrorener Moment Zeit, sozusagen die Essenz eines finalen Moments,
einer Inszenierung. Foto ist einfach – man sucht sich den besten Moment heraus und löscht den
Rest. Was im Foto noch funktioniert ist im Film zu wenig.
Bei Film muss über den besten Moment die ganze Sequenz funktionieren. Der Schnitt und der Ton
sind eine Erzähldimension mehr, die bespielt werden will. Das Arbeiten mit dem Modell ist im Film
viel komplexer.

Neben Deinen Mode Shootings arbeitest vor allem im Werbebereich und bist hier für Deine
sympathisch-authentischen Portraits bekannt, die oft bundesweit plakatiert und zu sehen sind.
Promis hast Du ebenfalls regelmäßig vor der Linse. Wie entspannt sich Dein gegenüber bei DeinenShootings? Gibt es hier ein Geheimrezept?

 Das Zauberwort ist Empathie.

Jeder Mensch der vor eine Kamera tritt verändert sich, er fängt an sich zu verkrampfen, weil er gut
sein will, weil er „abliefern“ will, weil er funktionieren will. Das gilt es so schnell wie möglich
loszuwerden.

Das erste was ich jedem Menschen sage ist, das Foto ist nicht wichtig. Du bist wichtig. Wir haben alleZeit der Welt. (Auch wenn das natürlich nicht stimmt. Der Tag hat ja immer einen Zeitplan).

Während des Shootings spiegele ich meinem Gegenüber die ganze Zeit.
Analysiere seine Körpersprache; erzähle ihm was ich sehe, in ihm sehe und löse mit ihm zusammen all die Barrieren in seinem Kopf auf.
Damit wir miteinander Spaß haben. Leichtigkeit und Vertrauen erzeugen ein authentisches Bild.


Worin liegt für Dich der große Unterschied beim Arbeiten mit Modellen? Sind Mode Shootings
eher eine Entspannung für Dich oder warum switchst Du zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Bereichen?

Wenn ich ehrlich bin mache ich keine Mode / oder People Shootings. Ich mache Fotos mit
Persönlichkeiten. Mal im Rahmen eines Modesettings, mal im Rahmen eines People Settings. Ein
Corporate Shooting mit komplett fotounerfahrenen Menschen ist für mich genau das gleiche wie ein
Modeshooting mit einem erfahrenen Fashion Modell. Ich wechsele also eigentlich gar nicht zwischen
den Bereichen. Alle Shootings sind grundsätzlich Entspannung für mich.

Du lebst in Hamburg, der Norden ist ja nicht so sehr von der Sonne verwöhnt, wie planst Du Deine
Outdoor Fashion Shootings?

 Immer mit Weather Pro und dann hoffend das es stimmt was die App anzeigt.
Diesen Sommer saß ich 2mal im Regen. 1mal mussten wir sogar abbrechen.
Das ist halt der Norden

Die letzten Monate waren ja für alle in der Branche ziemlich einschneidend. Was hat sich bei Dir getan oder geändert? Hast Du viel Freies für Dein Portfolio produziert? Ist man als Fotograf nicht total ausgehungert nach Menschen, Teams, Sets…

Ausgehungert?
Nein!
Ich war ja nie allein. Ich habe die Lockdowns genutzt, um mich beim Thema Film, Kameraarbeit,
Filmtechnik, Edit und Grading intensiv weiterzubilden. Da war ich ganz schön beschäftigt.
Dazu habe ich einen eingeschworenen Kreis an kreativen Freunden die genauso so Hummeln im
Hintern haben wie ich. Wir haben die Zeit genutzt und unter Einhaltung aller Corona Auflagen viele
schöne Editorials produziert. Meine Agenten wussten manchmal gar nicht wohin mit all den neuen
Bildern.
Außerdem ich bin ja jenseits des Sets eher genügsam was Menschenansammlungen angeht.

Es kommt  ja eher selten zu direkten Begegnungen mit Artbuyern und Kreativen. Wie hast Duhier die letzten Monate empfunden? Hat das weiter abgenommen oder hast Du hier wieder eine
verstärktes Aufeinander zu gehen beoachtet?

Was das angeht war und ist Corona eine Zäsur. Direkte Treffen sind einfach mal weggefallen alles
läuft nur noch digital. Sehr effektiv das Ganze aber auch sehr distanziert. Ich hoffe mal auf eine
Trendwende 2022

Arbeitest Du aktuell an einem neuen Projekt, planst Du gerade etwas Neues?

Ich arbeite immer an neuen Projekten. Das nächste wird ein Männereditorial sein und vielleicht
endlich mal ein narrativer Kurzfilm. Schauen wir mal. Ich kann einfach nicht stillsitzen.

 

Hier der Link. zur GOSEE Seite

https://www.gosee.news/news/photographers/gosee-news-praesentiert-39-the-deconstructed-bling-39-ein-fashion-editorial-samt-film-von-det-kempke-c-o-double-t-samt-grossem-exklusiv-interview-mit-dem-hamburger-fotografen-der-39-fotos-mit-persoenlichkeiten-39-umsetzt-58391/startpage

 

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